Flensburger Hafen: Umschlagpotenziale bis zu 400.000 t pro Jahr

13.06.2018 09:08

Ein von der IHK veröffentlichtes Gutachten bescheinigt dem Flensburger Hafen ein Umschlagpotenzial von bis zu 400.000t pro Jahr.

Der SSW Flensburg sieht seine Forderungen bestätigt und setzt sich weiterhin für den Erhalt und die Stärkung des Hafens ein.

Die Hafenexperten von CPL Competence in Ports and Logistics GmbH halten mittelfristig ein Umschlagvolumen im Flensburger Wirtschaftshafen von bis zu 400.000 t pro Jahr für realis- tisch. Das geht aus einer von der IHK Flensburg in Auftrag gegeben Studie hervor. Die Gü- terarten, die Umschlagpotenziale bieten, sind Kies, Splitt, Sand sowie Düngemittel und Zellu- lose. „Die zukünftige Positionierung Flensburgs als „Baustoffhafen“ basiert auf der durchge- führten Marktanalyse sowie den Einschätzungen lokaler Wirtschaftsakteure“, so Jobst Schlennstedt, Geschäftsführer von CPL.

Zwingende Voraussetzung zur Aktivierung der Potenziale sei ein klares Bekenntnis der Poli- tik zugunsten eines dauerhaften Erhalts des Gewerbehafens am Ostufer. Die fehlende Pla- nungssicherheit trägt nach Auffassung der Wirtschaft erheblich zu den tendenziell rückläufi- gen Umschlägen bei. Im Rahmen der Expertengespräche zur Potenzialerhebung erklärte beispielsweise das Unternehmen Mitsubishi HiTec Paper Europe GmbH, die Stagnation im Prozess um den Fortbestand des Hafens habe entscheidend zur Verlagerung des Zellulose- Empfangs nach Glückstadt beigetragen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Björn Ipsen erinnerte daran, dass auch Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz vor einem Rückbau des Hafens massiv gewarnt habe. Die Landesregierung könne kommunale Entscheidungen zwar nicht verhindern, dennoch habe Buchholz sich bei seinen jüngsten Besuchen in der Fördestadt sehr besorgt darüber gezeigt, einem funktions- und zukunftsfähigen Hafen und den dort ansässigen Unternehmen jegliche Planungs- und Investitionssicherheit zu nehmen. „Ich bin mit dem Minister einer Meinung, dass die ständi- gen Diskussionen um andere Nutzungen oder um Fristen, innerhalb derer sich der Hafen ,bewährensoll, Gift für den Wirtschaftsstandort sind“, sagte Ipsen.

Den Hafen aufzugeben, unterstreicht die CPL-Studie, sei eine unumkehrbare Entscheidung, und wird daher von der IHK strikt abgelehnt. Die Region Flensburg würde das Alleinstel- lungsmerkmal Hafeninfrastruktur als wichtigen Standortfaktor für Unternehmensansiedlun- gen verlieren. Dazu Jan Thordsen, Geschäftsführer von ATR Landhandel: „Da unsere aktuel- le Düngemisch- und Big Bag-Anlage in Busdorf zu klein ist, verlagern wir die Station nach Flensburg. Die Nähe zu einem Ostseehafen, der mit 3.000-Tonnern anlaufbar ist, war aus schlaggebend für unsere Standortentscheidung. Eine Schließung des Hafens wäre eine Ka- tastrophe.“ 

Um die Kaianlagen am Hafen-Ostufer zukünftig stärker zu nutzen, schlägt das Beratungsun- ternehmen eine Modernisierung der Betriebsstruktur der Hafen GmbH vor. Auch wenn die Infrastruktur öffentlich ist, muss der Hafen wie ein privates Unternehmen geführt werden. Zum Geschäft gehören neben dem Umschlag an sich auch wettbewerbsfähige Umschlag- und Liegegebühren, ein offensives Marketing und die Konzepte zur langfristigen Unterneh- mensentwicklung. Das ist in der aktuellen Struktur schwierig, wie die jüngste Diskussion um die Pachtpreise der Europawiese zeigt. Kurz: Um erfolgreich zu sein, braucht ein Hafenun- ternehmen Freiheit zur Gestaltung, so IHK-Hauptgeschäftsführer Björn Ipsen. Ferner rät CPL dazu, die Flächen des Wirtschaftshafens neu zuzuschneiden. „Gewerbeflächen müssen von solchen deutlich abgegrenzt werden, die für die Stadtentwicklung nötig sind. Nutzungs- konflikte hätten für die Flensburger Schiffbau Gesellschaft existenzielle Konsequenzen“, so Werft-Geschäftsführer Rüdiger Fuchs dazu gegenüber der IHK.

Ein zentrales Kriterium zur Hebung der aufgezeigten Potenziale sei außerdem die dauerhaf- te Sicherstellung der wasserseitigen Erreichbarkeit. Dazu Gutachter Schlennstedt: Mit dem von der Hafen GmbH und der Firma Machulez Transport GmbH kürzlich neu erstellten Peil- plan werden zumindest Unsicherheiten bezüglich der Wassertiefen sowie maximaler Schiffsgrößen ausgeräumt.Der Peilplan sichert die Erreichbarkeit des Hafens für Schiffe mit einem Tiefgang von etwa neun Metern und einer Tonnage von bis zu 12.000 t. Problema- tisch sei nach Angaben des CPL-Geschäftsführers hingegen die fehlende Verfügbarkeit von Lotsen vor Ort. Diese müssen aktuell, auch für Kreuzfahrtschiffe, kostenintensiv aus Kiel angefordert werden.

Im Segment der Kreuzschifffahrt ergeben sich für Flensburg nach Erkenntnissen der Unter- suchung bei erfolgreicher Positionierung am Markt sowie in Kooperation mit Partnerhäfen Potenziale von acht bis zwölf Anläufen mit insgesamt etwa 10.000 Passagieren pro Jahr. Wie für den Hafenumschlag auch sind die Kreuzfahrer jedoch zwingend auf einen gesicher- ten ISPS-Bereich angewiesen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Ipsen abschließend: „Wir bringen mit den Ergebnissen der Poten- zialstudie wichtige Argumente, Daten und Fakten für den Erhalt des Wirtschaftshafens in die Diskussion ein.

Das Gutachten ist unter www.ihk-sh.de/gutachten-hafen-flensburg abrufbar.